Das Reklamesammelbild

Wie bilden sich Klischees und Vorurteile? Massenmedien tragen entscheidend dazu bei, in uns Bilder von fremden und exotischen Dingen zu formen. Das historisch-zeitgenössische Populärmedium des Reklamesammelbildes – häufig auch als „Kaufmannsbild bezeichnet – war im 19. Jhdt. eines der ersten Print-Massenmedien, welches wesentlich dazu beitrug, das Bild des Fremden in Europa zu prägen.

In hohen Stückzahlen gedruckt und verausgabt, konnte man mit den Sammelbildern (Kaufmanns-, Zigaretten- und Automatenbildern) breite Bevölkerungskreise in den europäischen Ländern erreichen. Dieser Umstand trug entscheidend dazu bei, dass dieses Trägermedium für vielfältige Formen der Propaganda und insbesondere für die Legitimierung von Kolonialismus und Imperialismus vereinnahmt wurde. Dieses historisch-zeitgenössische Bildmedium kann daher exemplarisch als ein äußerst wirkungsvolles Trägermedium analysiert werden, welches verkürzte und interessensgeleitete Informationen vermittelte.

Die Thematisierung dieses Trägermediums in Lehrveranstaltungen zu visueller Anthropologie, kritischer Bildanalyse und zur Ästhetisierung von Kolonialismus fußt auf der umfangreichen Sammelbildkollektion von Hermann Mückler, die insbesondere den regionalen Schwerpunkt Ozeanien abdeckt. Die Entstehung des Südsee-Klischees lässt sich anhand dieses Mediums gut nachzeichnen.

Zwei Artikel von mehreren zwischenzeitig zur Thematik erschienenen Fachbeiträgen illustrieren mögliche Annäherungen an einzelne Aspekte dieser speziellen Populärkulturforschung.

Das Reklamesammelbild (pdf)

Mitteilung der Anthropologischen Gesellschaft (pdf)